Die Skulpturen des Schorndorfer Skulpturenrundgangs

Skulptur 9

Josef Nadj

Rahmenbedingung

Standort: Barbara-Künkelin-Halle
Material: Syenit
Jahr: 2001

Selbstbewusst kehrt der Titel dieser Skulptur die Hierarchie der Gegebenheiten um. Durch die Fähigkeit dieses Steinportals, die Üppigkeit der Stadthalle bündeln zu können, definiert es sich als Umstand, als ein Faktor, der nicht fehlen darf, damit die direkt beobachteten Prozesse überhaupt ablaufen können. An sich ist die Arbeit von Josef Nadj selbst ein Stück geradezu archaische Architektur: Sie besteht aus zwei Elementen, die so gegeneinander gestellt sind, dass sie ohne weitere Armierung aufrecht bleiben.

Mit der Wahl des Gesteins „Syenit Coraille“ beweist Josef Nadj auch seine Sensibilität als Maler. Durch die farbliche Modulation, die sich aus der Oberflächengestaltung dieses raren Materials in der Spanne zwischen naturrau und glatt ergibt, ist immer irgendwo die Farbigkeit des Klinkergebäudes auszumachen, gleich welche Lichtverhältnisse gerade herrschen. Das ist bei ihm ein bewusster Prozess. Nadj kennt die unterschiedlichen Farbnuancen in den Steinbrüchen, und er sicherte sich hier die letzten Reserven dieser bestimmten Sorte Stein.

Trotz der Kürze des Ausschreibungszeitraumes konnte er so eine Arbeit fertig stellen, die in ihrer Schlichtheit die wesentlichen Charakteristiken des pianoförmigen Gebäudes erst zum Klingen bringt: Das melodische Duett von Draufsicht und Durchsicht. (E.K.)

Josef Nadj

1953 geboren in Arandjelovac/Jugoslawien
1975–81 Studium Staatl. Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
Seit 1981 freischaffender Bildhauer
1985 Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis
Lebt und arbeitet in Dettingen/Horb am Neckar