Skulptur 05

Christoph Traub

Erinner dich meiner... Die 10 Hingerichteten

Standort: Stadtkirche
Material: Jura
Jahr: 2014

Schorndorf ist mit dem Bündnis Armer Konrad 1514 eines der Zentren des wohl erstmalig aufkeimenden Widerstandes des Volkes im süddeutschen Raum gegen die Willkür der Obrigkeit. Dies mag man schon als Vorzeichen auf den Großen Deutschen Bauernkrieg ansehen, der 1525 das ganze Land erschütterte. Hiesiger Auslöser war die ständige Erhöhung der Steuern durch Herzog Ulrich, der damit seine Luxusausgaben decken wollte. Konnten sich die Bürger und Bauern in einer ersten Protestrunde per inszeniertem Gottesurteil sogar noch Recht verschaffen, zog der Herzog einige Zeit später beim Wiederaufflammen des Protestes wegen erneuter Steuererhöhung umso drastischer gegen die Männer zu Felde. Nach Haft und tagelanger Folter ließ er 10 Rädelsführer auf dem Schorndorfer Wasen mit dem Richtschwert enthaupten. Die meisten von ihnen wurden in ungebührlicher Pose an der Kirchhofsmauer – wie Verbrecher – verscharrt.

2014 wurde erstmalig in großem Umfang ein Jahr lang auf verschiedensten Ebenen des Bündnisses Armer Konrad und des Aufstandes vor 500 Jahren gedacht. Dem Schorndorfer Christoph Traub war der Mut dieser Männer ein so großes Anliegen, dass er jedem Einzelnen ein Denkmal setzte. Aus einem mittelfränkischen Jurasteinbruch stammen die zehn gleichartigen Ausgangsmodule der freistehenden, doppelseitigen Reliefs. Aufrecht und mit kraftvoll erhobenen Armen erscheinen uns die Aufständischen wieder. Erhaben – trotz des fehlenden Kopfes.

Der Bildhauer konfrontiert uns hier mit der – ehrlichen – Haut jedes Einzelnen der Geschundenen. Die Haut ist das größte Organ des Menschen, es trägt die meisten Nervenzellen. Pein ist bis unter die Haut spürbar, hinterlässt darauf Spuren. Diese Männer wurden gequält, gebrandmarkt, entrechtet und entehrt. Sie hatten Vornamen, die den unseren gleichen. Wie Brüder rief man sie Hans und Ludwig, Jakob und Michel. Und wie Feinde richtete sie Herzog Ulrich hin. Die aus Kalkstein herausgefrästen Mahnmale wurden vom Bildhauer mit den Namen versehen, dabei mit dem Bohrer gebrandmarkt, als wären die Brudernamen Höhepunkt der Tortur.

Als Aufstellungsort ist der Kirchplatz wohl gewählt. Hier waren die Männer verscharrt worden, später dann an einem besseren Ort ordentlich beerdigt. Traub will uns heute und in Zukunft über das Steinbild den Schmerz unter die eigene Haut gleiten lassen, damit wir nicht vergessen. Der Weg unserer Demokratie war voll der Opfer und sie muss mit Mut erhalten bleiben.

Christoph Traub

1964 geboren in Stuttgart
1983 Bildhauerpraktikum bei Prof. Fritz Nuss
1984–87 Lehre als Steinbildhauer bei Hans Neuwirth
1988–89 Kunstakademie Karlsruhe, Prof. van Dülmen
Seit 1990 als freischaffender Künstler tätig

Foto: Rafael Krötz