Die Skulpturen des Schorndorfer Skulpturenrundgangs

Skulptur 41

Tareq Alghamian

Die Verbindung

Standort: Mittlere Uferstraße
Material: Jura
Jahr: 2017

Am Ufer der Rems begegnet man auf einem Wiesenstreifen zwischen Radweg und Straße einem schweren Juraquader. Der aufrechte Rahmen der Skulptur umschließt das gekippte Mittelstück. Bis auf den Kippwinkel kommen an diesem Kalkstein nur rechte Winkel vor.

Alghamian, ein junger Syrer aus Damaskus, nimmt mit seiner Skulptur Bezug auf den niederländischen Gelehrten Spinoza und besonders auf den französischen Naturwissenschaftler und Philosophen René Descartes. Der zeigte vielfältig Verbindungen zwischen scheinbar getrennt Existierendem auf: Geometrie und Algebra, Wissenschaft und Religion, Materie und Geist. Descartes war damit Geburtshelfer der Aufklärung in Europa unter den Einflüssen des Orients. Dort waren in Zeiten kultureller Blüte und geistigen Fortschritts Religion und Wissenschaft nicht voneinander getrennt behandelt worden.

Zwischen dem europäischen eher-getrennt-Sehen und dem seiner Herkunft entsprechenden einheitlich-verbunden-Sehen vermag Tareq Alghamian Brücken zu schlagen. Seine Skulptur ‚Die Verbindung‘ zu benennen resultiert hieraus. Ein einziges homogenes Material – und doch wirkt die in der Mitte daraus entwickelte Schräge wie aus anderer Substanz, weil sie dem Licht anders entgegensteht. Zwei Elemente wie scheinbar künstlich zusammengefügt, doch sind sie verbunden geblieben in der Einheit des Steins. Alghamian präsentiert uns darüber hinaus sinnbildlich die Verbindung der heute schon lange zu einer Einheit miteinander verschmolzenen Gedankenwelten von Orient und Okzident im Zeichen der geistigen Freiheit der Menschen. (E. K.)

Tareq Alghamian

1988 geboren in Damaskus, Syrien
2005-2010 verschiedene Kurse in Zeichnen, Malen und Bildhauerei in Damaskus
2008 Abschluss am Institut für Angewandte Kunst der Universität der Bildenden Kunst in Damaskus
Seit Oktober 2016 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Fachbereich Bildhauerei Metall bei Prof. Andrea Zaumseil