Die Skulpturen des Schorndorfer Skulpturenrundgangs

Skulptur 33

Christoph Traub

Tor der Ahnen

Standort: Raible-Anlage
Material: Stahl und Granit
Jahr: 2005

Diese stille Arbeit mit ihrem unaufdringlichen aber beharrlichen ‚memento mori‘ bringt jene anthropologische Dimension ins ‚Lebensspiel‘, die den ‚metaphysischen Rest‘ im Menschen mobilisiert – wie ihn Rainer Maria Rilke – den Christoph Traub disziplinübergreifend als ‚literarischen Partner‘ auf der flankierenden Steinplatte einsetzt – in Verse gebracht hat.

Ältere Zeiten haben dem Tod immer einen Platz im Leben gegeben. Tor trennt zwischen ‚drinnen‘ und ‚draußen', ‚davor‘ und ‚dahinter‘. Tor ist Zäsur und Übergang. Tor ‚zwingt‘ zum bewussten Durchschreiten, appelliert an die Wahrnehmung, aus der gleichförmig-gleichgültigen ‚Normallage‘ momentweise auszuscheren und den durch das Tor angebotenen ‚Sonderzustand‘ zu erleben.
Zwei genutzte, zernarbte eiserne T-Träger, trapezförmig aufsteigend montiert, halten Bruchstücke von Grabsteinen zusammen. Fragmentarisch versammeln sich in der Spannungszone zufällige Namen, Jahreszahlen, Symbole. Sie sind ‚in die Höhe genommen‘, ‚aufgehoben‘ – transzendiert.

Ein Erinnerungsaggregat, das Wahrnehmung, Bewusstsein und seelische Gestimmtheit in Schwingung versetzt: die verletzten, zernarbten, von der ‚Arbeit‘ gezeichneten Träger ‚tragen‘ die collagierten Symbole der Erinnerung an Menschen, an deren Leid und Leben, Mühe und Arbeit – aber auch Erinnerung an die Geborgenheit und den Zusammenhalt im heimatlich-sozialen Beziehungsfeld. Der Hinweis auf die ‚Ahnen‘ – also auf jene, die vor uns gelebt und gelitten haben, könnte unserem Leben und Leiden einen Sinn geben. Ein Leben ohne Erinnerungskultur – was wäre das? Und: Erinnerung braucht einen Ort! Hier am Ausgang des Raible-Parks in unmittelbarem Bezug zum Neuen Friedhof hat die meditative Arbeit von Christoph Traub ihren sinnvollen Ort. (F.S.)

Christoph Traub

1964 geboren in Stuttgart
1983 Bildhauerpraktikum bei Prof. Fritz Nuss
1984-87 Lehre als Steinbildhauer bei Hans Neuwirth
1988-89 Kunstakademie Karlsruhe, Prof. van Dülmen
Seit 1990 als freischaffender Künstler tätig