Die Skulpturen des Schorndorfer Skulpturenrundgangs

Skulptur 16

Eckhart Dietz

Weiblicher Torso

Standort: Höllgasse
Material: Stahl
Jahr: 1987

Der durch vertikalen Halsansatz und horizontale Armstümpfe kreuzförmig auftretende weibliche Torso stimmt am Eingang der Höllgasse unaufdringlich aber bestimmt sein Thema an: Passion, Leben als Leiden. Und mit dieser Botschaft geht die Metallskulptur leise aber beharrlich in eine Art Gegenposition zum Strom der vorbeieilenden Kund*innen und Käufer*innen, die dem Glücksversprechen ‚Ware‘ hinterherhasten, ohne es zu erlangen.

Insofern ist dieser Standort als ‚Stopp-Stelle‘ gut gewählt. Schollenartig kompakte und als Gesamtsystem doch wieder zerrissene Flächenpartien markieren die Rückenfigur und lassen einzelne anatomische Details kraftvoll plastisch hervortreten, Schulterblätter, Wirbelsäule, Pobacken. Die Vorderseite zeigt eine fast kubistisch anmutende zerwühlte Landschaft. Sie bricht auf, aggressiv, springt den/die Betrachter*in geradezu an und setzt den Akzent unzweideutig auf die Verletzlichkeit und Hinfälligkeit der menschlichen Existenz. Eckart Dietz‘ Torso, ein menschliches Ecce Homo-Motiv, das anrührt und zugleich auffordert: Reife plastische Kunst bedeutet immer auch die Möglichkeit der „besseren Welt“, der eingelösten Utopie, Kunst als Hoffnungsträger.

Dies gilt für die antiken Götterbilder, für die mittelalterlichen Sakralskulpturen bis hin zur klassischen Moderne. Rilke formuliert es in seinem „Archaischen Torso Apoll”: „Denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht, du musst dein Leben ändern!“ (F.S.)

Eckhart Dietz

1933 in Pfäffingen bei Tübingen geboren
1955–62 Studium Staatl. Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
Seit 1962 freischaffender Künstler
1981–89 Lehrtätigkeit Fachschule für Schmuck und Gerät
2019 gestorben