Die Schorndorfer Edition

Edition 22

Tillmann Damrau

The Golden Dawn

Gezeichnete Figuren, oder doch besser: Personen, sitzend und stehend, darin mustergültiger Damrau. Tillmann ist ein Formenspieler und Experimentator, der sich immer gerne auf Zufälle einlässt, aber bei seinen Akteuren versteht er keinen Spaß: die müssen stimmen.

Ihre Gesichter, Blicke, Hände, die Stellung der einzelnen Finger, müssen genau formuliert sein, sind deshalb ja Subjekte der Erzählung, die der Künstler in eine zeichenhafte, wie mit blauem Edding grob umrissene Innenaußenwelt wirft, derer sie sich gewahr zu werden scheinen. Keine Illusion, keine Illustration – wie ausgeschnitten liegen sie übereinander verteilt im abstrakten Bild-Innenraum; nur ein Sofa, ein bisschen zu klein für diese langen Beine. Schlafen könnte er darauf nicht.

Er: Blick nachdenklich nach unten seitwärts, als ob ihn das Comicraster störte, in einem Moment zwischen Sicherheben oder Zurücksinken, mit Rolli oder barocker Krause ein wenig mozartisch zeitverloren. Sie: bereit zu gehen, noch wägend, aber die Richtung ist klar. Morgendämmerungsfarbe, wenngleich mehr Einfärbung als Licht eines verheißungsvollen Anfangs: Noch alle Möglichkeiten des Tages sind offen – also raus, raus ins Offene. Das Draußen ist eine Handyfotocollage mit bergfriedartigem Bahnhofsturm mit stillgelegter Uhr, dessen morbide, siebzigerjahrige Fotosiebdruckmoderne sich dem Flächenfraß des Nachthimmeleddings entgegenstemmt, noch ist alles offen.

Text: Martin Schick

Schorndorfer Edition 22
2011

Tillmann Damrau
The Golden Dawn

Siebdruck in vier Farben,
plus Stempel auf Büttenpapier
Auflage: 50 Exemplare
Nummeriert und signiert
Größe: 40x40 cm
Preis: je EUR 100,–


Tillmann Damrau
1961 in Freudenstadt geboren
Studium der Malerei und Grafik
Akademie der Bildenden Künste München
Meisterschüler bei Professor Robin Page

Tillmann Damrau stellte vom 22. November 2011 bis 8. Januar 2012 in den Galerien für Kunst und Technik aus. Titel der Ausstellung war The Ovidians.
Zum Image-Film The Ovidians