DER SKULPTUREN-RUNDGANG
IN SCHORNDORF
"Ich
sehe nicht das, was ich sehe, ich sehe das, was ich
weiß."
(Johann Wolfgang von Goethe)
Dieser
Skulpturenführer ist eine Aufforderung an jede
Passantin, an jeden Passanten in Schorndorf. Gönnen
Sie sich einmal einen Luxusartikel, der nichts kostet.
Zeit nämlich. Zeit zum Sehen, Denken und Verstehen.
"Wir
haben das Sehen verlernt.
Gewöhnt, unterhalten zu werden,
gewöhnt, Vorgedachtes zu denken,
fällt uns schwer, Neues zu erarbeiten.
Wir schauen hin und schauen weg,
wenn sich ein Bild, eine Skulptur, nicht sofort erschließt.
Ein Kunstwerk aber verlangt,
dass man sich mit allen seinen Sinnen ihm zuwendet".
(Andreas Krohberger, Plastiken in Schorndorf,
in: Bildhauer in der Stadt, Stuttgart 1988, S. 46)
Nehmen Sie sich also Zeit, sich einer der 36 Skulpturen
zu nähern und sie in Ruhe zu betrachten. Egal,
ob man sie zum ersten Mal sieht oder ob sie einem seit
20 Jahren vertraut ist.
Umrunden Sie langsam die Skulptur und warten Sie die
Wirkung ab. Ihr erster Eindruck? Übt die Skulptur
mit ihrer Formensprache, ihrer Farbigkeit und ihrem
Material eine sinnliche Ausstrahlung auf sie aus? Achten
Sie jetzt auf Details, auf Formelemente wie Kuben, Flächen,
Winkel, Kanten, Schnitte, Rundungen, Gewölbe. Gibt
es plastische Akzentsetzungen, Spannungsbögen,
Konzentrationspunkte? Sie können die Skulptur gerne
"be-greifen", denn mit dem haptischen Erlebnis
fällt das Begreifen leichter.
Überprüfen Sie ruhig kritisch, ob zwischen
den Proportionen der Skulptur und der gewählten
Platzsituation ein gewisser Zusammenhang besteht. Stellen
Sie Vermutungen an, deuten Sie die Skulptur, setzen
Sie sich mit ihr auseinander. Assoziationsketten und
wenn sie noch so einfach sind, werden Ihnen helfen.
Vielleicht gelingt es Ihnen, Bezüge zwischen dieser
Skulptur und anderen Skulpturen, zwischen der Skulptur
und Ihnen, zwischen der Skulptur und unserer Umwelt
herzustellen. Und - nehmen Sie sich die Zeit, die Skulptur
zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten zu besuchen.
Ihre Wirkung wird bei verschiedenen Lichtverhältnissen
eine ganz andere sein.
Dieser Skulpturenführer will Ihnen
beim Entschlüsseln der vielfältigen visuellen
Sprachmuster der modernen Kunst eine kleine Hilfestellung
bieten. Die einzigen Voraussetzungen, die Sie mitbringen
müssen: Zeit, Neugierde und Offenheit.
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SKULPTURENSTADT
SCHORNDORF
Dieser
Skulpturenführer dokumentiert 36 Skulpturen in
der Daimlerstadt Schorndorf. Bis
1987 gab es in Schorndorf gerade mal vier Arbeiten im
Außenraum zu sehen. Das 1. Bildhauersymposion
1987 war der Ausgangspunkt einer dauerhaften Hinwendung
zur modernen Kunst in Schorndorf. "Moderne Kunst
in einer alten Stadt" war Slogan und wurde zum
Motor für die weitere Auseinandersetzung mit dem
Thema Skulptur, die bis zum heutigen Tag anhält.
Auch das 2. Bildhauersymposion 1997 veränderte
mit seinen Platzgestaltungen das Stadtbild nachhaltig.
Moderne Kunst setzt Reize und so konnten die vielen
kontroversen Diskussionen über die neuen Skulpturen
- man denke nur an den Brunnen von Jürgen Görtz
vor der Stadtkirche - nicht ausbleiben. Jedoch fand
man kurze Zeit später die "umkämpfte"
Skulptur auf Postkartenmotiven wieder.
Die Neuauflage des 2001 zum ersten Mal erschienenen
Skulpturen-Rundgangs dokumentiert nicht nur die vorhandenen
Skulpturen, sondern manifestiert zeitgleich Schorndorfs
Entwicklung zur Skulpturenstadt. Tatsache ist, keine
andere Stadt im Rems-Murr-Kreis und wohl auch nicht
in der Region Stuttgart verfügt über eine
derartige Skulpturensammlung im Stadtraum wie Schorndorf.
Bei der Entwicklung Schorndorfs zur Skulpturenstadt
ist vor allem das große Engagement der Bürgerinnen
und Bürger sowie der zahlreichen öffentlichen
und privaten Institutionen hervorzuheben, die zu einem
großen Teil die beeindruckende Skulpturensammlung
in der Stadt ermöglichten. Im Skulpturenjahr 2007
stellt das Kulturforum das Thema Skulptur bei seinen
Ausstellungen in den Galerien für Kunst und Technik,
im Arnold-Areal und im Stadtraum ins Zentrum seiner
Kulturarbeit. 20 Jahre nach der Aufschwungbewegung gilt
es, die "Marke" Skulpturenstadt Schorndorf
zu pflegen und weiterzuentwickeln. Mit der Neuauflage
dieses Skulpturenführers wird ein wichtiger Schritt
in Richtung Kunstvermittlung geleistet, die in den kommenden
Jahren intensiviert werden soll.
Der
Dank gilt allen, die die Entwicklung Schorndorfs zur
Skulpturenstadt in den letzten 20 Jahren ermöglichten.
Eberhard
Abele
Kulturforum Schorndorf
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Bildhauer
in der Stadt
Herausgeber: Hans-Martin Maier für die Stadt
Schorndorf
Verlag Theiss,
Stuttgart 1988,
ISBN 3-8062-0572-8 |
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Bildhauersymposion
Schorndorf 1997
Herausgeber: Kulturforum Schorndorf
Verlag Carl Bacher, Schorndorf 1997
ISBN 3-924431-29-7 |
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